Sommer, Palmen, Sonnenschein

 

Weiter geht’s mit unserem kleinen Suaheli-Kurs, denn wir erreichen Tanga am indischen Ozean, was soviel wie “Segel” bedeutet. Als wir aus dem Bus aussteigen, werden wir sofort von einer Horde Taxifahrer und Kofferträger mehr oder weniger überrannt. Sonst muss hier alles immer “Pole, Pole” (Langsam, langsam) laufen, aber wenn man aus einem Taxi oder einem Bus aussteigt, dann kann es nicht schnell genug gehen. Tanga ist keine besondere Stadt, aber mit der Lage am Meer irgendwie doch ganz nett. Wir besuchen den alten Dhau-Hafen, in dem nach wie vor die arabischen Dhaus gebaut und zum Fischen genutzt werden, sowie einige wenige ältere Gebäude aus der deutschen Kolonialzeit. In unserem indischen Hotel gibt’s abends leckeres Fisch-Curry und praktischerweise können wir in der Bar gegenüber sogar auf einer Leinwand etwas Fußball schauen. Da die Küste hier sehr arabisch und damit muslimisch geprägt ist, wird bei Belgien gegen Algerien ganz klar Algerien unterstützt.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg Richtung Süden, wir wollen auf einen Campingplatz am Meer. Irgendwie ist uns gerade nicht nach Trubel, Stress und Gewusel und wir lassen uns etwas dekadent mit dem Taxi 30 Kilometer weit fahren und schon sind wir am Peponi Beach. Ein herrlicher Platz, wir schlagen unser Zelt nur wenige Meter vom weißen Sandstrand auf, über uns Mangobäume und Kokospalmen, es hat 30 Grad, nachts ca. 23, Wassertemperatur 26 Grad. Über die nächsten Tage gibt es nicht viel zu erzählen, außer dass uns wieder einmal das Motto aus Südchile einfällt: Life is a long weekend!

Wir lassen es uns sehr gut gehen, genießen das sonnige Wetter, das Meer, den schönen, fast menschenleeren Strand, die Ruhe und die grüne Umgebung des Platzes. Abends kochen und essen wir am Strand oder gönnen uns an der Bar ein Safari Lager. Wir können uns sogar an zwei Tagen zu Ausflügen aufraffen. Der erste ist ein Schnorchelausflug mit einer dieser herrlichen Dhaus mit ihren riesigen Segeln. Zunächst müssen wir vom Strand ins Meer hinauslaufen, um zum Boot zu kommen, dann geht es mit dem Wind hinaus in den Ozean zum vorgelagerten Riff. Hier können wir mit Schnorchelequipment ins Wasser springen und die bunte Unterwasserwelt mit blauen Seesternen, Fischen in allen Farben, Seeigeln und großen Korallenriffen bewundern. Obwohl wir nicht wenig Salzwasser schlucken, macht es Spaß und es ist vor allem mal etwas ganz Anderes. Etwas weiter dürfen wir nochmals ins Wasser, leider für Susi nur kurz, denn Plankton kann scheinbar Hautausschläge verursachen… Also geht es eben weiter zu einer kleinen Sandinsel, die nur bei Ebbe existiert. In türkisblauem Wasser und unter dramatisch schwarzen Wolken gehen wir an Land und liegen einfach nur im warmen, flachen Ozean herum. Für eine Inselumrundung benötigen wir ca. zwei Minuten. Nach etwas Relaxen und vor allem weil die Insel wegen der kommenden Flut immer kleiner wird, geht es langsam im Sonnenuntergang wieder zurück zum Festland. Einen Tag später machen wir uns per Daladala (Minibus) auf den Weg nach Pangani, einem alten Sklavenhandelsumschlagplatz. Das Dorf war früher wohl mal eines der reichsten in Tansania, heute sind alle älteren Häuser verfallen. Trotzdem fasziniert uns die Mischung aus indischen, europäischen, afrikanischen und arabischen Gebäuden. Um etwas über die Geschichte zu erfahren, nehmen wir einen lokalen Guide, der die ersten 30 Minuten viel Interessantes erzählt (z.B. wurde hier im ersten Weltkrieg das deutsche U-Boot “Möwe” von den Briten versenkt und es liegt noch heute an der Mündung des Pangani-Flusses – sozusagen als Spielplatz für Kinder), aber dann ziemlich senil wird und uns ca. alle 30 Sekunden fragt woher wir eigentlich kommen oder uns erzählt, dass Pangani früher sehr lebendig war, heute aber arm, dennoch friedlich. Wenn man das dann 10-15 Mal gehört hat, dann möchte man am liebsten schreiend wegrennen. Aber wir bringen die Tour hinter uns und sind froh als wir dann noch alleine zu den interessanten Gebäuden wie dem alten arabischen Sklavenhaus gehen können (der Guide hat wohl vergessen, dass wir da noch gar nicht waren).

Am Abend sind wir dann nicht die einzigen Deutschen am Campingplatz, die das WM-Spiel gegen Ghana sehen wollen. Da es in der Unterkunft keinen Fernseher gibt, lädt uns einer der Angestellten zu sich nach Hause ein, wo wir im nahegelegenen Dorf in einem dunklen Zimmer das spannende Spiel anschauen und wir uns mit den Tanzaniern, die natürlich für Ghana sind, auf ein gerechtes Unentschieden einigen. Die Einfachheit der Wohnung bedrückt uns aber auch ein bisschen, umso größer ist dagegen die Gastfreundschaft.

Als wir nach fünf Tagen Strandcamping beschließen mit dem Boot am nächsten Morgen nach Sansibar überzusetzen, regnet und stürmt es nachts so heftig, dass die Fahrt abgesagt wird. Wir müssen/dürfen/können also noch eine weitere Nacht unter Kokospalmen am weißen Sandstrand des indischen Ozeans zelten!

 

4 Gedanken zu „Sommer, Palmen, Sonnenschein“

  1. Hallo, seid Ihr nach einem Aktiv-Aufenthalt in Südamerika zum Relax-Dasein in Afrika übergegangen? Offensichtlich braucht Ihr es!!! Und das Wetter unterstützt Euch dabei!
    Gruß Bruno

    1. Ja, hier kann man ganz gut relaxen, denn es ist traumhaft schön.
      Man kann gar nicht anders…

  2. wusstet ihr eigentlisch schon, dass Pangani früher wohl sehr lebendig war, heute aber arm, dennoch friedlich 😉

    1. Danke für den Hinweis. Uns hat das bereits ein älterer Herr in Pangani selbst erzählt 🙂

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